Slowenien, Juni 2017

 

Wie immer hatten wir unsere Fliegenfischerreise auch dieses Jahr schon frühzeitig geplant. Schliesslich wollten wir die Vorfreude darauf intensiv und lange auskosten. Slowenien war für uns absolutes Neuland. Wir hatten zwar einiges über die weltberühmte Soca, deren Nebenbäche und die darin lebenden, sagenumwobenen Marmoratas gelesen. Richtig bewusst war uns aber nicht, auf welches fischereiliche Abenteuer wir uns einlassen würden.

Unsere Unterkunft war das Pri Kafolu. Ein gemütlicher, sehr empfehlenswerter Familienbetrieb im kleinen Dorf Prapetno, etwas südlich von Tolmin. Unsere Guides Leslie und Karim von Slo-Fly holten uns am ersten Tag ab. Wir teilen uns in zwei Gruppen auf. David und Richard versuchten ihr Glück mit Karim an der Lepena, während Andy und ich mit Leslie an der Upper Soca unterwegs waren. Wie fast alle Gewässer in Slowenien waren auch diese beiden glasklar. Der typisch weisse Kiesgrund gibt dem Wasser die wirklich atemberaubend schöne, grünblaue Farbe. Obwohl die beiden Gewässer mit sehr vielen und teilweise sehr grossen Regenbogenforellen besetzt waren, erwies sich die Fischerei als recht schwierig. Vermutlich war der Fischereidruck dort einfach zu gross.

Besonders eindrücklich war an den ersten zwei Tagen die Fischerei auf eine etwa sechzig Zentimeter lange Marmorata, die es sich in einem kleinen Gumpen sehr gemütlich gemacht hatte. Gut getarnt hinter einem grossen Stein befischten wir sie während fast zwei Stunden. Zwar ohne Erfolg, dafür aber bei jeder Annäherung des Fisches an unsere Fliegen mit Adrenalinschüben, wie ich sie noch selten erlebt hatte.

Die nächsten Tage verbrachten wir an der unteren Soca, Baca, Ucja und Tolminka, die wir von unserem Hotel in etwas mehr als einer halben Stunde Autofahrt erreichen konnten. An der Baca konnten wir einige Hybriden (Kreuzung aus Marmorata und Bachforelle) eine Marmorata und eine kleine Aesche überlisten. Besonders schön, aber auch sehr anstrengend war die Fischerei an der Ucja, die wir ab der Landesgrenze zu Italien befischten. Dieser Bach hat glasklares Wasser mit wirklich riesigen, traumhaft schönen Gumpen, die teilweise erklettert werden müssen. Hier hatten wir relativ viele Fische gesehen. Allerdings waren sie sehr scheu und nur schwer zu überlisten. Trotzdem gingen uns einige wenige Fische an den Haken.

Was die Fischerei in Slowenien betrifft, sind meine Erfahrungen etwas zwiespältig. Zugegeben, die Landschaft und die Gewässer sind allesamt atemberaubend schön und bestimmt gibt es immer noch intakte Chancen eine wirklich grosse Marmorata zu fangen. Jedoch findet man entweder sehr schwierig zu befischende Gewässer mit nicht sehr zahlreichen und sehr scheuen Wildfischen oder Gewässer mit zu massivem Regebogenforellenbesatz. Das fischereiliche Mittelmass hatte ich ehrlich gesagt etwas vermisst. Geblieben sind mir aber die Erinnerungen an unsere tollen Guides, an die netten Leute und das feine Essen in unserem Hotel und an die tolle Kameradschaft in unserem Team. Dinge, die mich schon jetzt wieder beflügeln, unsere nächste Reise zu planen.

Lappland (SE), August 2016

 

Sehr intensiv hatten wir uns auf das Abenteuer Schwedisch Lappland vorbereitet. Schliesslich wollten wir die nächsten zehn Tage zeltend in der letzten Wildnis Europas verbringen. Was dies genau bedeutete, wurde uns erstmals richtig bewusst, als wir mit dem Heli von Kiruna in Richtung erstes Zeltlager flogen. Schon nach wenigen Kilometern versagte der Handyempfang und es war keine Spur von Zivilisation mehr zu sehen. Unter uns nur noch das weite Fjäll mit atemberaubenden Fluss- und Seenlandschaften. Ab und zu ein paar Rentiere, welche auf den kargen Böden weideten.

Im ersten Zeltlager nordwestlich von Kiruna wartete bereits unser Guide Grim Wiklund auf uns. Er hatte schon die Zelte aufgeschlagen, damit wir noch an diesem Tag mit Fischen beginnen konnten. Grim bevorzugte das Fliegenfischen mit Streamer. Er erzählte uns, dass er mit dieser Technik bisher die grössten Fische überlisten konnte. Als er uns die Fotos von seinen prächtigen Bachforellen zeigte, glaubten wir ihm sogar, dass er diese fast immer nach Mitternacht gefangen hatte.

An den ersten drei Tagen war das Wetter nasskalt und neblig. Wir fingen kleinere Aeschen und etwa ein Dutzend schöne Bachforellen bis 45 Zentimeter Länge. Ein paar grössere Exemplare verloren wir an einem engen, von hohen Felsbrocken gesäumten, Flussbereich beim Einholen in der starken Strömung. Als die Fänge nach drei Tagen etwas nachliessen, entschlossen wir uns, die Zelte abzubrechen und ein neues Lager weiter nordwestlich aufzuschlagen.

Wie gut die ganze Reise von Pukka Destinations organisiert war, zeigte sich auch bei diesem Vorhaben. Der Pilot von Artic Heli holte uns pünktlich ab und setzte uns nach etwa zwanzig Minuten Flug sicher im dichten Gestrüpp ab. Dass uns für diesen Extraflug keine zusätzlichen Kosten verrechnet wurden, erfuhren wir erst später.

Hier im zweiten Camp waren die Bedingungen etwas anders. Es hatte fast keine Birken mehr, dafür an einzelnen Stellen hohe Büsche und dort wo es keine Büsche gab, mehrere Zentimeter dickes Moos. Mir kam es vor, als bewegten wir uns auf und ab federnd wie die Astronauten beim ersten Betreten des Mondes. Auch der Bach hatte eine andere Struktur. Obwohl er stellenweise bis zu 30 Meter breit war, gab es tiefe, dunkelblau schimmernde Stellen. Ob hier die grossen Aeschen auf uns warteten? Hoffnungsvoll wechselte ich vom Streamerfischen auf Fischen mit Nymphe und Trockenfliege. Im klaren Wasser verwendete ich Vorfachschnüre aus Fluorcarbon. Weil ich hier wirklich grosse Fische vermutete, jedoch nicht unter 0.22 Millimeter Dicke. An einer Bachkrümmung, nicht weit von unserem Zeltlager entfernt, machte ich die ersten Würfe. Eine kleinere Aesche die nach meiner Rehhaar-Trockenfliege stieg, motivierte mich, diese Stelle intensiv zu befischen. Schon nach wenigen Würfen war das Glück auf meiner Seite. Eine grosse Aesche schnappte sich meine Fliege und zog gewaltig an meiner 5er-Rute. Es war ein starker Fisch von etwas mehr als 50 Zentimeter Länge. Eigentlich wollte ich die schöne Aesche zurücksetzten, aber meine Freunde überredeten mich, heute Abend eine nach Thymian riechende Thymallus thymallus auf dem Teller zu haben. Grim, der neben dem Guiding auch für unser leibliches Wohl verantwortlich war, kochte eine feine Aeschen-Fischsuppe, die uns noch fast besser schmeckte als sein hervorragendes Rentiergeschnetzeltes. Den Abend verbrachten wir für einmal nicht beim Fischen, sondern am Lagerfeuer. Während im Westen noch die Sonne schien, war im Osten bereits der Vollmond aufgegangen. Eine sehr stimmungsvolle Atmosphäre, die uns dazu verleitete, etwas mehr als die übliche Tagesration von zwei Bier und einem kleinen Glas Whisky zu trinken. Ganz dunkel wurde es nie. Dafür aber sehr kalt. Bitterkalt, wie wir es uns nicht vorgestellt hatten. Weil das Gewicht im Heli beschränkt war, hatten wir nicht nur wenig Alkohol mitgenommen, sondern dummerweise auch bei der Dicke unserer Schlafsäcke gespart. So kam es, dass ich mit Thermowäsche, Jeans, zwei Fleecejacken und meiner Watjacke bekleidet versuchte, einigermassen ruhig zu schlafen.

Die Fischerei im zweiten Camp war ergiebiger. Wir fingen alle ziemlich viele Aeschen, dafür weniger Bachforellen. Jonas, der relativ wenig Erfahrung im Fliegenfischen hatte, fing die meisten Fische. Wohl deshalb, weil oberhalb des Polarkreises offensichtlich die grosse Ausdauer mehr gefragt war, als die beste Wurftechnik. Grim landete bei einem seiner nächtlichen Ausflüge tatsächlich eine prächtige 50er-Bachforelle und David hatte am letzten Tag eine schöne Überraschung. Hinter einem grossen Stein hakte er eine fast 50 Zentimeter grosse Bachforelle. Zum Glück war ich in der Nähe und konnte sein breites Grinsen und seinen Traumfisch mit meinem Weitwinkelobjektiv für die Nachwelt festhalten.

Schwedisch Lappland war für mich eine traumhafte Erfahrung. Wildnis, Ruhe und Zufriedenheit pur. Wir hatten eine gute Fischerei mit einigen herausragenden Fängen und unsere Freundschaft wurde noch weiter bestärkt. Unser Dank gebührt unserem Reiseorganisator Pukka Destinations und unserem Guide Grim, den wir als guten Freund in Erinnerung behalten werden. 

Varallo Sesia (I), Juli 2016

Zufällig war ich auf eine Reportage zur Fliegenfischerei im Torrente Mastallone bei Varallo Sesia gestossen. Die wunderschönen Bilder liessen mich nicht mehr los. Ich musste diesen Bach einfach sehen. So machte ich mich mit meinem Freund Stefan auf den Weg. Die Fahrt über den Simplon und durch kleine Dörfer bis hinauf nach Varallo Sesia dauerte etwas mehr als zwei Stunden. Die Fischerlizenzen kauften wir uns im Caffè Stazione. Es war nicht ganz einfach, an der engen Bergstrasse einen Parkplatz zu finden. Schliesslich fanden wir aber einen Ort wo wir parken und die Schlucht hinabsteigen konnten. Kaum hatten wir unsere Wathosen angezogen, kam der Fischereiaufseher vorbei. Wir und offenbar auch unser Lizenzverkäufer wussten nicht, dass die Anzahl Fischer pro Tag auf dem Catch & Release – Abschnitt beschränkt ist und wir uns vorher mit dem Aufseher hätten telefonisch absprechen sollen. Zum Glück war er sehr nett, gab uns wertvolle Tipps und liess uns schliesslich doch noch fischen. Die Fischerei war anfangs anspruchsvoll. Je weiter wir aber den Bach hinauf wateten, desto grösser wurden die wunderschönen, langgezogenen Gumpen mit bis zu schätzungsweise maximal drei Meter Wassertiefe. Die Fische liessen sowohl mit Nymphen als auch mit Trockenfliegen bei guter Präsentation relativ leicht überlisten. Wir fingen mehrere grosse Bach- und Regenbogenforellen und eine Marmorata. Den grössten Fisch verlor ich nach kurzen Drill, weil er sich nach einem heftigen Richtungswechsel von meiner ungespannten Schnur lösen könnte. Nicht nur deshalb wird dieser herrliche Sommertag lange in guter Erinnerung bleiben.

Verbania (I), März 2016

Die Fischerei war sehr schwierig. Die Fische wollten einfach nicht beissen und allmählich waren wir mit unserem Fischerlatein am Ende. Mein Freund Stefan erinnerte sich an eine sensible Fischereimethode, bei der man selbst feinste Bisse spürt und unverzüglich mit einem Anhieb quittieren muss. In einem lang gezogenen Gumpen mit grünem Wasser wartete seine Schönheit mit einem wunderschönen Kleid auf ihn.

Mittersill (A), Mai 2015

Mein erstes, selbstgemachtes Video sagt hoffentlich mehr als tausend Worte.

Trotzdem möchte ich von meinem bisher grössten Fang einer wildgewachsenen Fario berichten. Bereits letztes Jahr hakte ich an der selben Stelle in der Salzach einen grossen Fisch. Mein Freund David, der etwas unterhalb von mir stand, sah das grosse Tier, als ich es aus der starken Strömung gegen das Ufer ziehen wollte. Nach einer Flucht zurück in die Hauptströmung schlitzte der Haken aus und mein Traum von einer wirklich grossen Fario entschwand in den unergründlichen Tiefen der Salzach. Natürlich stand ich dieses Jahr bereits am ersten Tag früh am Morgen an der selben Stelle. Ich wollte diesen Fisch unbedingt überlisten. Schon der erste Wurf brachte Erfolg. Ich hakte einen Fisch und spürte gleich, dass es sich etwas ganz Besonderes handeln musste. Ich hatte Glück und konnte den Fisch aus der Strömung gegen das Ufer ins stillere Wasser ziehen und ihn sicher mit dem Feumer landen. Die prächtige, wildgewachsene Bachforelle war mehr als 50 Zentimeter lang und hatte eine wunderschöne Zeichnung. Ob es wohl der kleinere Bruder der Forelle vom letzten Jahr war?

Mittersill (A), Mai 2014

Schon lange war die Reise gebucht und unsere Vorfreude entsprechend gross. Sie manifestierte sich bei Jonas, David, Stefan, seiner Frau Ingrid und mir in verschiedenster Weise.
David kaufte mir einen Dachträger für mein Auto, so dass er neben den vielen Fischerutensilien auch noch Platz für sein geliebtes Kissen hatte, dass er auf der Reise dann auch prompt zu nutzen wusste. Jonas machte sich grosse Sorgen, ob er im Fischershop unsers Hotels, dem Bräurup in Mittersill, auch die richtigen Fliegen finden würde. Seine Angst legte sich, als er unsere Fliegentaschen und das mitgeführte Arsenal von Bindestöcken und Bindematerial sah, nur wurde die Auswahl der richtigen Fliege dann wegen des immensen Angebots extrem schwierig und zur echten Geduldsprobe. Stefan und Ingrid mussten im Vorfeld ihre jungen Hunde platzieren und ich war damit beschäftigt, noch mehr Fliegen zu binden, die schliesslich dann doch nur bedingt funktionieren sollten.
Die 500 Kilometer lange Anreise mit dem Auto war sehr angenehm. Wir hatten ja auch viele Themen zu besprechen: Fischerei, Fischer, Fischereigeräte, Fischerferien und natürlich Fische. Davon hat es in der Salzach und in den 120 Kilometern hoteleigenen Bächen, Seen und Teichen nun wirklich genug. Ob wir sie auch finden und fangen würden?
Die erste Bestätigung, dass wir den richtigen Riecher hatten, bekamen wir gleich am ersten Morgen, als wir uns wie üblich um 06h00 wortkarg und mit müden Schritten zum obligaten Frühfischen an der Salzach einfanden.
David, der weiter oben fischte als ich, rief mich schon bald an. Er hatte bereits nach kurzer Zeit sechs schöne Bachforellen gefangen und auch Jonas, der noch nicht so geübt im Nymphenfischen war, fing bald seinen ersten Fisch aus der sagenumwobenen Salzach. Nur ich ging leer aus. Meine Zeit kam nach dem Frühstück. Frisch gestärkt mit Frühstücksei, Emmentaler und Pinzgauer Räucherschinken hatte ich bereits nach kurzer Zeit drei verschiedene Fischarten gefangen. Einen Bachsaibling, eine Regenbogenforelle und drei Bachforellen. Jetzt fehlten nur noch Äschen, Seesaiblinge und Seeforellen.
Seesaiblinge hatten wir schon im Hintersee gefangen und Seeforellen sollte es dort nach Auskunft eines älteren Fischereiaufsehers auch haben. Also verbrachten wir den ersten Nachmittag an diesem schwer zu befischenden Bergsee in atemberaubender Kulisse. Die Messlatte setzte David, der gleich nach den ersten Würfen einen schönen Seesaibling mit der Trockenfliege fangen konnte.
Nachdem wir die gleiche Fliege wie unser Freund montiert und das lange Vorfach fein säuberlich entfettet hatten, fingen auch Jonas und ich einige kleinere Fische.
Am nächsten Tag waren auch Ingrid und Stefan bei uns. Sie reisten einen Tag später an und gingen deshalb besonders motiviert ans Wasser. Stefan und David fanden früh morgens an der Salzach eine Stelle, wo sie mehrere Bachsaiblinge überlisten konnten.
Den Nachmittag verbrachten wir am Hollersbachstaudamm, wo wir unzählige eingesetzte Regenbogenforellen in allen Grössen mit dem Streamer zum Biss verleiten konnten.
Richtig spannend wurde es für uns alle am dritten Tag. Wir hatten einen Ausflug an die Krimmler Ache gebucht. In diesem kristallklaren Bergbach mit Stellen von fünf bis sechs Meter Breite und zwei bis drei Metern Tiefe sind die Fische wie in einem Aquarium zu sehen. Die überwiegende Fischart ist hier der Bachsaibling. Es hat aber auch Bachforellen und teils wirklich grosse Äschen.
Das breite, flache Hochtal darf nur von wenigen Fischern pro Tag befischt werden und dieses Jahr hatten wir das Glück, dass wir die einzigen angemeldeten Fischer waren. David und ich teilten uns den oberen und Jonas und Stefan den unteren Teil des einsamen Tals.
Trotz kalter, trüber Witterung versuchte ich mein Glück gleich mit einer selbstgebundenen, hochschwimmenden Trockenfliege und hatte sofort einen steigenden Fisch. Nach mehreren Fischen die nur dem Köder nachschwammen, ohne danach zu steigen, setzte ich auf meine beliebteste Taktik, das Nymphenfischen mit der leichten Nymphe.
Die kleinen, schwarzen Nymphen mit dem rosa Tungstenkopf, die ich mir am Vorabend extra noch gebunden hatte, erwiesen sich als Volltreffer. Ich fing sehr viele Fische und zu meiner grossen Freude bald auch die erste Äsche.
David hatte auch viele Bachsaiblinge und einige Bachforellen gefangen. Einen grösseren, wunderschönen Saibling konnte er in einem kleinen Nebengerinne mit der Imitation einer Steinfliege überlisten.
Am Nachmittag verschlechterte sich das Wetter. Als ich vor dem ersten richtig grossen Gumpen mit türkisblauem Wasser stand, fing es zu regnen und später auch noch zu hageln an. David, eher bekannt als Schönwetterfischer, versteckte sich unter seinem Regenschirm und schaute mir zu, wie ich trotz kleinen Erwartungen verbissen weiter fischte. Jetzt wurde es unglaublich. In diesem Gumpen von etwa 10 Meter Länge konnte ich in einer Stunde bei intensivem Hagel mehr als 30 Fische überlisten. Eine Äsche fing ich auf Sicht und eine weitere eher zufällig als willkommenen Beifang.
Nach diesen sagenhaften Nachmittag mussten wir gegen fünf Uhr den Rückmarsch in den unteren Teil des Tals antreten.
Jonas und Stefan hatten mit der Wahl des Streckenabschnitts etwas weniger Glück als wir. Sie fischten vor allem mit der Trockenfliege und fingen bedeutend weniger Fische als David und ich. Trotzdem waren auch sie völlig überwältigt von der Schönheit des abgeschiedenen Tals und seines wildbelassenen Bergbachs.
Weil die Wettervorhersage für den nächsten Tag nicht gerade rosig war und wir unsere müden Arme etwas entspannen wollten, beschlossen wir, am Verwalterteich – der heisst wirklich so – unser Glück mit der Fliegenrute auf Weissfiche zu versuchen. Die Rotaugen und Rotfedern liessen nur schwer überlisten und wir konnten nur wenige Fische haken.
Also setzte ich auf die altbewährte Methode mit Spinnrute und Maisköder. Bald stellten sich erste Bisse ein. Natürlich war ich nicht sicher, ob es sich dabei um meinen Zielfisch, einen kapitalen Karpfen, handelte. Der erste Fisch den ich haken konnte war eine kleine Karausche und meine Kollegen hatten nur ein müdes, unverständliches, fast mitleidiges Lächeln für mich übrig. Unbeeindruckt fischte ich weiter. Biss, Anhieb und irgendwie das Gefühl, doch schon etwas Grösseres gefangen zu haben.
Tatsächlich stellte sich der nächste Biss als der eines Karpfens von etwa eineinhalb Kilogramm heraus. Nachdem ich ihn gelandet und fein säuberlich zurück gesetzt hatte, fingen plötzlich auch meine Freunde an, sich für meine archaischen Fischereimethoden zu interessieren. Als David ebenfalls einen Karpfen von etwa zwei Kilogramm erbeutete, waren schliesslich alle restlos überzeugt und tauchten ihre Fliegenruten schweigsam gegen ihre Spinnruten ein.
Am Nachmittag fuhren wir an den Elisabethensee, der sich an der Passstrasse zum Felbertauerntunnel befindet. Zu unserer grossen Überraschung hatte es viele Besatzfische. So fingen wir mit Leichtigkeit einige Regenbogenforellen und Bachsaiblinge. Jonas fischte unter einem Strauch, wo er einen Schwarm Regenbogenforellen gesichtet hatte. Nach einigen Stunden intensivem Rutenschwingen waren viele Fische gefangen und der Strauch unter dem Jonas gefischt hatte, war mit vielen Streamern in allen möglichen Farben geschmückt.
Daran hatten wir auch unsere Freude. Noch mehr freute David und mich die Tatsache, dass wir beide unsere erste Seeforelle landen konnten. Zuerst erbeutete David ein buckliges Exemplar und kurz darauf konnte ich zwei weitere dieser schönen Fische landen.
Den Abend im Hotel verbrachten wir auch heute mit Fliegenbinden im Restaurant. Eine sehr lustige Sache, bei der man immer wieder von Fliegenfischern aus allen möglichen Ländern, aber auch von anderen Hotelgästen und auch von bastelinteressierten Frauen angesprochen wird. Eine richtige Kontaktbörse nach alter Schule, weit ab von „facebook.com“ und „swissflirt.ch“.
David bastelte sich eine Nymphe aus orangenem Glitterfloss und verzierte sie zu unserem Unverständnis auch noch mit einer Körperspirale aus silberfarbenem Tinsel. Grauenhaft für jeden halbwegs normalen Fischer aber vielleicht verlockend für die Äschen?
Obwohl David mit seiner „Disco-Queen-Fliege“ von uns belächelt wurde, machte er sich am nächsten Morgen wacker an die Arbeit. Schon nach wenigen Würfen führte die „Queen“ den ersten Fisch aus ihrem angestammten Element in den Kescher. Eine kleine, aber wunderschöne Äsche, die bei unserem Freund den nötigen Motivationsschub auslöste um wenige Zeit später, an der gleichen Stelle, noch eine weitere Äsche zu fangen.
Den Rest des Morgens verbrachten wir am Hollersbachstaudamm und fingen dort wieder ein paar Regenbogenforellen.
Der letzte Nachmittag unserer Ferien war dann wieder dem Hintersee gewidmet. Die schwierigen Verhältnisse kamen unserem Freund Stefan am besten entgegen. Hier konnte er sein grosses Wissen, seine kleinen selbstgebundenen Fliegen und seine riesige Erfahrung perfekt umsetzen. So war es wenig erstaunlich, dass vor allem er fleissig Fische fing.
Während wir uns vor allem mit der Montagetechnik von langen, ultrafeinen Vorfächern beschäftigten, freute sich Stefan über eine schöne Äsche die nach seiner Trockenfliege stieg.
Wir hatten wieder eine tolle Fischerwoche. Die grossen Fische, die es in der Salzach zweifellos hat und von denen Stefan und Jonas je eine gehakt und im Drill verloren hatten, blieben leider aus. Daneben wurden wir aber mit vielen wunderschönen, wildgewachsenen Fischen, herrlicher Landschaft, köstlichem Essen und toller Gesellschaft verwöhnt.

Domodossola (I), März 2014

Mittagssee in Italien. Zugegeben, auch ich war erstaunt, als ich diesen Namen von Freunden zum ersten Mal hörte. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass es in Domodossola ein See mit sehr interessantem Fliegenfischen geben könnte. Der See ist eine alte Kiesgrube mit kristallklaren Wasser, etwas westlich von Domodossola gelegen. Die Umgebung ist liebevoll gepflegt und das kleine Restaurant sehr gemütlich. Aeschen, Bachforellen, Regenbogenforellen und Saiblinge stammen zum Teil aus der angrenzenden, eigenen Fischzucht. Wie immer war das Fischen auch an diesem Märztag äusserst anspruchsvoll. Die Fische kennen am Mittagssee fast jede Fliege und sehen fast jede Schnur. Nur mit ausgeklügelter Technik lassen sich die scheuen Fische überlisten. Manchmal gibt es aber Zufälle wie am heutigen Tag. Ich hakte eine Regenbogenforelle beim Einziehen an der Flanke und konnte sie trotz sehr kleiner Nymphe und feinem Faden nach kurzer Zeit landen. Mein Freund Stefan präsentierte sie dann gekonnt für einige Fotos.

Verbania (I), März 2014

Nach einigen trüben Regentagen wollte uns Petrus mit herrlichem Frühlingswetter verwöhnen. Er schickte uns die Sonne so kräftig vom blauen Himmel herunter, dass wir an diesem Märztag bereits im Tshirt fischen konnten. War es unsere noch sehr blasse Hautfarbe, welche die Fische abschreckte? Auf alle Fälle konnte ich den ersten Fische erst fangen, als ich meine selbst entwickelte Nymphe für Farios einsetzte. Warum sich diese Fliege ausgerechnet eine Regenbogenforelle schnappte, soll hier nicht weiter ausgeführt werden. 

Verbania (I), August 2013

Dieses Wochenende war Fliegenfischen in der „Riserva di pesca San Bernardino“ in Verbania angesagt. Auf einem etwa 5 km langen Bachabschnitt im Torrente San Bernardio gibt es dort eine etwa 2 km lange Strecke und einen grossen Pool wo auch mit Naturködern gefischt werden kann. Das Tagespatent kostet 20 Euro und es können 5 Fische entnommen werden. Die restlichen 3 km verteilen sich auf zwei No-Kill-Strecken wo mit der Fliege gefischt wird und alle Fische zurückgesetzt werden müssen. Das Tagespatent kostet auch hier 20 Euro. Die Patente können in der Bar „Nuovo Porto“ an der Piazzale Flaim in Verbania gelöst werden.
Natürlich haben wir uns für die Variante No-Kill entschieden, obwohl der Bach vom nächtlichen Regen stark braun getrübt war.
Anfangs zeigte sich die Fliegenfischerei recht schwierig. Während mehr als 2 Stunden konnten wir mit diversen Trockenfliegen und Nymphen keine Fische landen. Da ich nicht sehr gerne mit Streamern fische, viel die letzte Wahl auf einen „FishFinder“-Streamer. Bei einem vermeintlichen Hänger riss ich das Vorfach ab. Ich montierte eine etwas stärkere Schnur und einen weiteren Streamer und konnte sogleich eine 40er Bachforelle landen. Offensichtlich war der Hänger ebenfalls ein Fisch gewesen.
Jetzt ging der Reigen richtig los. Mit diversen Streamern befischten wir die grossen Pools und ruhigere Stellen im Bach und konnten einen Saibling, eine Regenbogenforelle und viele Bachforellen über 40 cm Länge landen.

Mittersill (A), Mai 2013

Dieses Jahr war das Fischen im Pinzgau bedeutend schwieriger als andere Jahre. Wegen des kalten Frühlingswetters hatten die Natur und wohl auch die Fische etwa drei Wochen Verspätung in ihrer Entwicklung gegenüber anderen Jahren. Die Aeschen hatten noch nicht abgelaicht und die Regenbogen- und Bachforellen der Salzach waren noch nicht, wie sonst um diese Jahreszeit üblich, in die Bachmündungen gezogen. Nur die Bachsaiblinge waren fast überall präsent und auch bissfreudig. Mit wirklich grossen Fischen hatten meine drei Freunde keinen Kontakt. Nur ich hakte am ersten Tag einen grossen Fisch. Einer meiner Freunde der den Fisch gesehen hatte, schätzte ihn auf mehr als 70 cm Länge. Umso mehr tat es mir leid, dieses schöne Tier im spannenden Drill durch Ausschlitzen des Hakens in der starken Strömung verloren zu haben. Trotz allem erlebten wir an der Salzach einige Glücksmomente. Wir fingen relativ viele, bis zu 40 cm lange Bachsaiblinge, Bach- und Regenbogenforellen. Nur die Aeschen zeigten wenig Lust auf unsere am Flussgrund präsentierten Nymphen. Am Hintersee war das Fischen besonders schwierig aber auch besonders spannend. Wir sahen sehr viele Bach- und Seesaiblinge und einige Aeschen, die uns motivierten, alle möglichen Fangmethoden und Köder wie Fliegen, Nymphen und Streamer auszuprobieren. Den grössten Erfolg hatten wir zu unserer grossen Verblüffung mit der Trockenfliege bei starkem Schneefall und mässigem Wind. Wegen des schlechten Wetters waren wir „gezwungen“ in Teichen, am Lenisee oder am Stausee Hollersbach zu fischen. Diese Gewässer werden mit Massfischen besetzt und beherbergen nur sehr wenige wild aufgewachsene Fische. Kein grosses Fangglück hatten wir in den Bergbächen. Dafür wurden wir bei unserer sportlichen Kletterei an der oberen Salzach und am Ammerbach mit herrlichen Impressionen beschenkt. Das Pinzgau mit seinen saftigen Wiesen, die Kühe und die tiefen, dunklen Gumpen erinnerten uns immer wieder an unsere Heimat und besonders ans Goms.  Ähnlich wie an den Bergbächen erging es uns am Blausee, wo wir immer schon Mühe hatten einen der vielen sehr heiklen Fische zu überlisten. Der einzig wirklich schöne Tag war der Mittwoch. Wir hatten riesiges Glück, dass wir genau an diesem prächtigen Tag einen Ausflug zur Krimmler Ache gebucht hatten. Zwar herrschte etwas Wind und die Präsentation der Trockenfliegen war schwierig. Wo jedoch ein sauberes Ablegen der Fliege möglich war, folgte meist sofort ein Biss. Wir fingen sowohl mit der Trockenfliege als auch mit der Nymphe und manchmal sogar mit dem Streamer viele wunderschöne Bachsaiblinge, einige Bachforellen und auch zwei kleinere Aeschen. Trotz schlechtem Wetter hatten wir eine tolle Woche und viel Spass. Zwar waren die grossen Fische noch nicht so präsent, kleinere Fische fingen wir aber den Verhältnissen entsprechend viele. 
Mittersill wir kommen wieder.

AOSTA (I), Oktober 2012

No-Kill-Fischerstrecke in Aosta! So nahe bei uns! Das musste ich mir unbedingt anschauen.
Im Forum der „Amicale des Pêcheurs à la mouche du Valais » AMPV hatte ich gelesen, dass der Verein diesen Samstag einen Ausflug nach Aosta organisiert hatte. Auf Anfrage waren die Fliegenfischer sofort bereit meinen Fischerfreund Stefan und mich mit auf die Reise zu nehmen und uns die schönsten Fliegenfischerstrecken und die dafür geeigneten Techniken zu präsentieren.
Mit zwölf anderen Fischern trafen wir uns um 07h00 in Martigny um die Tageskarten entgegen zu nehmen und den Fahrzeugkonvoi über den Grossen St. Bernard zu organisieren.
In Aosta angekommen, teilten wir uns in verschiedene Gruppen auf. Unsere Gruppe fuhr zuerst in Richtung Cogne um unser Glück an der Grand Eyvia zu versuchen. Schon der erste Anblick des Gewässers war beeindruckend. Dunkelblaue, tiefe Gumpen, umgeben von einer farbenprächtigen Herbstlandschaft liessen unsere Erwartungen steigen.
Mein persönlicher Tagesguide Alain Bessard hakte dank ausgeklügelter Technik bald eine Regenbogenforelle und gleich darauf eine schöne, wohlgenährte Fario.
Die Fische wurden, wie es auf der No-Kill streckte vorgeschrieben ist, vom widerhakenlosen Haken entfernt und schonend wieder ins Gewässer zurück gesetzt. Leider blieb ich am Morgen trotz bestem Guiding Schneider.
Zum Mittagessen begaben wir uns zum Camping „Les Illes“ wo wir uns sehr gut und sehr preiswert für den Nachmittag verpflegen konnten.
Gestärkt mit einer gehörigen Portion Pasta wanderten wir am Nachmittag etwa 20 Minuten flussabwärts um in der Dora Baltea unser Glück erneut auf die Probe zu stellen. Zuerst begannen Stefan und ich mit der Trockenfliege die grossen Räuber aus der Tiefe zu locken.
Besonders spannend war die Fischerei, weil neben Regenbogenforellen und Farios auch Marmoratas, Aeschen und Saiblinge zu erwarten waren.
Ziemlich bald mussten wir uns eingestehen, dass trotz schönsten Herbstwetter und klarem Wasser mit der Trockenfliege heute wohl kein Fisch zu fangen war. Ich montierte mir eine selbst

gebundene, leichte Czech-Nymphe und versuchte in einem Pooleinlauf mit gespannter Schnur der Strömung zu folgen. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten. Ein feine Schnurspannung, Anhieb und der Fisch war gehakt.
Zum Glück hatte ich ein relativ dickes Vorfach montiert. Nur so war es möglich, die schöne Regenbogenforelle nach kurzem Drill sicher und schonend zu feumern.
An dieser Stelle nochmals grossen Dank an die Mitglieder der AMPV und ihre Einführung in die No-Kill-Fischerstrecken von Aosta und Umgebung.

Bye-bye… wir kommen wieder!

Mittersill (A), Mai 2012

Was hatten wir Petrus bloss angetan?
Regen und trübes Wasser an der sonst immer so schnapsklaren Krimml Ache und dann so viel Regen und trübes Wasser an der Salzach wie wenn bei uns Massa, Vispa und Lonza gleichzeitig im Spülgang betrieben würden. Sogar die Kühe standen den ganzen Tag im Wasser, damit wenigstens die Klauen etwas vom Regen geschützt waren. Als dann endlich mal die Sonne schien, waren auch die Fische in bester Bisslaune und alles was uns unsere Walliser Kollegen uns letzte Woche übrig gelassen hatten, ging plötzlich an den Haken. Eine kleinere Aesche, eine fette, schön gefärbte Regenbogenforelle, eine weitere Thymallus und schliesslich eine schöne Bachforelle.

Mittersill (A), Mai 2011

Lange schon hatten wir unsere zur Tradition gewordene Woche Fischerurlaub gebucht. Umso grösser war die Freude als es endlich losging. Wieder einmal führte uns die Reise nach Mittersill ins Tirol ins bekannte Hotel Bräurup. Als wir an der Hotelrezeption sehr freundlich begrüsst wurden und dabei zufällig unsere Fotos vom letzten Jahr auf dem Hotelprospekt wiederfanden, war uns definitiv klar, dass wir wieder besonders willkommen waren. Auch einige bekannte Gesichter vom letzten Jahr waren wieder da. Am grossen, speziell zum Fliegenbinden ausgestatteten Tisch der sich mitten im Restaurant befindet, sass Thomas und diskutierte mit Guide Udo die Strategie für den morgigen Tag. Wir hatten uns entschlossen, unser Glück vor dem Frühstück wie üblich an der Salzach zu suchen. Der Fluss ist stellenweise ähnlich unserer Rhone recht stark eingedämmt und nur wenige Läufe sind bereits renaturiert. Dank Besatz mit Sömmerlingen und der erlaubten Entnahme von höchstens einem Fisch pro Tag ist die Salzach, wie alle anderen Gewässer rund um Mittersill, allerdings ein sagenhaftes Fischereigewässer geblieben. Fänge von wilden Bach- und Regenbogenforellen bis 45 Zentimeter Länge gehören fast zur Tagesordnung und Fische von mehr als 60 Zentimeter Länge und wunderschöne, nach Thymian duftende Äschen und farbenprächtige Saiblinge werden oft gefangen. Unser Glück liess am ersten Tag allerdings lange auf sich warten. Wir vermuteten, dass der tiefe Wasserstand der Grund dafür war, dass die Fische nur wenig Fresslust hatten. Der zweite Tag liess sich schon besser an. Bereits am Morgen fingen wir in der Salzach einige Bach- und Regenbogenforellen. Eine Äsche die nach meiner Nymphe schnappte, konnte ich leider nicht haken. Also war Übung angesagt. Wir entschlossen uns zur schwierigsten, aber auch zur, zumindest für mich, spannendsten und sportlichsten Art der Fischerei, dem Nymphenfischen im wilden Bergbach. Während mein Freund einige Fische im Felberbach überlisten konnte, verbrachte ich die Zeit eher damit, umgefallene Baumstrünke und Wurzeln am Bachufer mit meinen Fliegen zu verzieren. Trotzdem, die schwierige Übung am Bach sollte sich bald bezahlt machen.
Wegen dem tiefen Wasserstand in der Salzach und in den dorfnahen Bächen entschlossen wir uns, am Mittwoch hinauf an die sagenumwobene Krimmler Ache zu fahren. An diesem europäischen Topgewässer für Fliegenfischer sind pro Tag höchstens 12 Fischer zugelassen. Der kristallklare Bach schlängelt sich breit durch das wunderschöne zu dieser Jahreszeit recht einsame Hochtal und in den tiefen Gumpen tummeln sich viele Saiblinge und einige grosse Äschen.
Wir waren schon völlig überwältigt von der kargen Schönheit dieses stillen Tales. Die Fliegenfischerei mit der Trockenfliege liess uns aber schon bald in noch höheren Sphären schweben. Egal ab flache, stille Gewässerabschnitte, tiefe Gumpen oder schnell rieselnde Stromschnellen, wunderschöne Bachsaiblinge fingen wir überall in grossen Mengen und noch nie hatten mein Freund Stefan und ich an einem Tag so viele Fische gefangen.
Auch der nächste Tag sollte zu einem grossartigen Erlebnis werden. Wir fuhren an den Hollersbach Staudamm der mit Massfischen besetzt wird. Um uns die Sache nicht zu einfach zu machen, versuchten wir unser sportliches Glück nach einem kurzen Marsch am Einlauf des Sees mit Nymphe, Trockenfliege und später mit Streamer. Stefans Freundin Ingrid, stellte uns hart auf die Probe und fing, wie schon so oft, den ersten Fisch. Eine prächtige, starke Regenbogenforelle mit schöner silbriger Haut und fein ausgebildeten Flossen. Nachdem wir mit der Nymphe und der Trockenfliege keine Bisse hatten, versuchten wir es mit einem braunen Streamer mit rotem Schwanz. Offensichtlich hatten wir mit dieser Wahl in die richtige Trickkiste gegriffen. Wir fingen viele, wirklich schöne Fische, die nie unter 35 Zentimeter gross waren.
Am Freitag versuchten wir unser Glück erneut an der Krimmler Ache. Bereits bei der Fahrt mit dem kleinen Shuttlebus über die Naturstrasse hinauf ins Tal (eigene Fahrzeuge sind verboten) glaubten wir nicht daran, nochmals so viele Fische wie vor zwei Tagen zu fangen.
Allerdings waren wir dann doch sehr überrascht, als die Fische auf die Trockenfliegen mit denen wir so erfolgreich waren, in einem anderen Gewässerabschnitt überhaupt nicht reagierten. Wir versuchten alle Tricks und fischten mit dünnen Vorfächern und feinen Fliegen auf grosse Distanzen. Bei so klarem Wasser eine äusserst Adrenalin treibende Angelegenheit auch wenn wir im Verhältnis nur relativ wenige Fische fingen.
Mit einigen besonderen Überraschungen wartete unser letzter Fischertag auf. Bereits um 6 Uhr morgens waren wir an der Salzach und schon eine Viertelstunde später konnte ich meine erste Bachforelle feumern. Gleich darauf landete Stefan eine Äsche, und noch eine, und noch eine. Ein sicheres Anzeichen dafür, dass die Fische in der Salzach wieder aktiv waren. Also verschoben wir unser Frühstück um eine Stunde auf 10 Uhr und fischten auch noch an anderen Stellen weiter. Mitten im Dorf Mittersill konnte Stefan kurz vor dem Frühstück eine grosse Bachforelle mit einer grünen Nymphe überlisten. Obwohl auch er, wie in der Salzach üblich, mit relativ „grobem Geschütz“, d.h. mit einem 24er Vorfach gefischt hatte, dauerte der Drill in der starken Strömung eine ganze Weile und mein knurrender Magen musste sich noch länger auf das Frühstück gedulden.
Am Nachmittag wollten wir unser Glück am Stubach, einem wildromantischen Gewässer mit sehr gutem Äschenbestand versuchen. Kaum waren wir am ersten tieferen Bachlauf angekommen, landete Stefan seine erste Äsche und überliess mir den Gumpen. Ich verpasste eine kleine Bachforelle mit der Trockenfliege weil ich den Fisch im klaren Wasser steigen sah und wohl deshalb zu rasch den Anhieb setzte. Während ich den Fisch zurück setzte, fischte Stefan am gleichen Ort weiter, konnte aber keinen Fisch mehr fangen. Also versuchte ich es nochmals. Ich liess meine Trockenfliege über das kristallklare Wasser gleiten und beim dritten Anlauf stieg eine grosse Äsche entschieden zur Fliege hinauf. Obwohl ich dieses Mal fast zu lange mit dem Anhieb wartete, ich wollte den Fisch dieses Mal sicher haken, konnte ich die Äsche sicher feumern.
Welch ein Prachtstier. 47 Zentimeter lang, mit schönen Farben und einem Thymianduft den ich, wie die ganze Woche, noch lange nicht vergessen werde.

STrasbourg (F), Mai 2011

800 Kilometer Autofahrt, ein teures Hotel mit Scheibenkäse und Kondensmilch zum Frühstück, grosser Durst, Scharen von Touristen, kein Fisch und einige Blasen an den Füssen. Kurzum ein tolles Wochenende! Da ich das Risiko nicht auf mich nehmen möchte, für völlig verrückt erklärt zu werden, bedarf es nun wohl rasch einiger Erklärungen.
Als SOS-Team fuhren Stefan, Olivier und Stefan – das bin ich – dieses Wochenende zum Open Streetfishing nach Strasbourg. 
Streetfishing erlebt in Frankreich im Moment einen richtigen Hype. Es gibt zahlreiche Wettbewerbe in ganz Frankreich, bei denen vor allem junge Fischer zwischen 20 und 40 Jahren mitmachen. Erstaunlich sind die Offenheit und die Kameradschaft, die bei diesen meist übers Internet organisierten Anlässen herrschen. Ähnlich wie bei anderen Funsportarten steht der Gedankenaustausch, das gemeinsame, sportliche Erlebnis, das Vergnügen und weniger Leistung und Erfolg im Vordergrund.
Beim Briefing in der Kitch’n Bar wurde uns allerdings auch bald einmal klar, dass wir wohl nicht nur zum puren Vergnügen hier waren, sondern dass uns ein sehr sportlicher Anlass erwartete.

Jedem Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip ein Partner und 10 Sektoren auf einem rund 10 Kilometer langen Parcours quer durch die Stadt zugeteilt, die es am Samstagnachmittag und am Sonntagmorgen zu befischen galt. An jedem Standort durfte 40 Minuten lang gefischt werden und 20 Minuten Zeit blieb übrig, um zügig zum nächsten Sektor zu marschieren.
Mein „Binom“, Stephane Oester war, wie beim Streetfishing üblich, locker mit T-Shirt und kurzer Hose gekleidet und nur mit dem nötigsten Material unterwegs. Seine Kunstködertasche mit einigen wertvollen Oberflächenwobblern liess allerdings keinen Zweifel offen, dass auch er sich dieses Wochenende auf den „Roi de Strasbourg“, den Rapfen konzentrieren wollte.
Wir hatten das grosse Glück, am berühmten Sektor 3 den Wettkampf beginnen zu können wo zwei Kanäle zusammenfliessen und verheissungsvolles Rückwasser bilden. Dort jagen oft viele der zahnlosen Räuber aus der Familie der Karpfenfische aggressiv nach Beute an der Oberfläche. Heute sollte es etwas anders sein. Zwar liessen drei kurz hintereinander folgende Bisse auf einen schlangenlinienartig laufenden, weissen Water Monitor von Illex, mein Adrenalin rasch in die Höhe schnellen, doch damit sollte die Hoffnung auf meinen ersten silberfarbigen Rapfen zumindest für heute schon begraben sein.
Auf der dritten Strecke fing mein Binom Stephane einen Döbel und als ich mit der genormten Messlatte, die uns beim Briefing abgegeben wurde, zum Messen und Registrieren des Fisches angerannt kam, liess Stephane den Fisch beinahe fallen, was unweigerlich zur Disqualifikation geführt hätte. Die Regeln beim Streetfishing sind ziemlich strikt, aber die Teilnehmer halten sich gerne daran, weil sie mit ein Teil der Philosophie der jungen Generation von Sportfischern sind.
Die Fische müssen schonend mit Feumer oder LipGrip entnommen und lebend zurückgesetzt werden. Nur so kann sicher gestellt werden, dass bei dem hohen Fischereidruck auch in ein paar Jahren noch erfolgreich auf Rapfen, Flussbarsche, Zander, Hechte und….Welse gefischt werden kann.
Schon heute grenzt es für mich an ein kleines Wunder, dass in einer modernen Stadt wie Strasbourg mit rund 700‘000 Einwohnern, vielen Touristen und regem Bootsverkehr noch so viele Fische vorkommen. Doch Wunder gibt es immer wieder.
Zu den Welsen hatte man uns beim Briefing gesagt, dass diese kaum mehr gefangen werden und nur der Vollständigkeit halber auf der Wettbewerbskarte aufgeführt seien. Umso erstaunter war ich, als mir der „Comissair“, der Aufseher von Sektor 15 am Sonntagmorgen erzählte, dass auf Sektor 19 ein Wels von 1.07 Meter Länge gefangen wurde. Am Sektor 19 angekommen, teilte mir der Comissair mit, dass unser Freund Olivier, das O vom SOS-Team, den Wels gefangen hatte.
Damit hatte Olivier den grössten Fisch des Wettbewerbs gefangen und konnte sich bei seiner ersten Teilnahme am Open Streetfishing gleich neben die Cracks von Illex, Lucky Craft oder Pezon & Michel auf das Siegerpodest einreihen.
Wahrlich, ein tolles Wochenende.

Mequinenza (E), 2004 bis 2006

Nur schon der Name dieses kleinen Ortes in der spanischen Provinz Saragossa hat für mich etwas Magisches an sich. Das 2200 Seelen

zählende Dorf ist das Eldorado der Welsfischer aus aller Welt. Bei Mequineza fliesst der Rio Segre in den Rio Ebro. Knapp 2 Kilometer oberhalb von Mequinenza befindet sich der Embalse de Mequinenza, ein Stausee mit einer Länge von 110 Kilometern. In der Umgebung von Mequinenza werden jedes Jahr mehrere hundert Welse von mehr als 2 Meter Länge gefangen. Die grössten Welse sind über 2.5 Meter lang und mehr als 100 Kilogramm schwer. Der Bestand an Zandern und Karpfen ist ebenfalls sehr gut.

Erstmals war ich 2003 mit Freunden in Mequinenza. Dann nochmals in Jahre 2004 und 2005. Damals fischte man noch vorwiegend mit lebenden Karpfen bis zu 2 Kilogramm Gewicht an der Wasseroberfläche auf die grossen Raubfische. Mit den Köderfischen

wurde ein regelrechter Handel betrieben. Seit 2005 wird der Wels vorwiegend mit Heilbutt-Pellets auf Grund befischt. Besonders spannend war für mich das Fischen auf Zander. Ein feiner Zupfer beim Spinnfischen musste mit einem sofortigen Anhieb quittiert werden. Dazu waren grosse Konzentration und ein feines Gespür nötig. Unvergesslich bleibt für mich der Fang eines riesigen Welses im Jahr 2005. Wir legten unsere Köder im Rio Segro, etwas oberhalb von Mequinenza aus und spannten unsere Ruten vom Ufer aus. Nach langem Warten und einem Fehlbiss kündigte das an der Rutenspitze befestigte Glöcklein mit einem kräftigen Bimmeln einen grösseren Fisch an. Ich rannte zur Rute und machte mit all meiner Kraft einen heftigen Anhieb. Der Haken sitze. Was während der

nächsten halben Stunde ablief, war schier unglaublich. Der Wels hatte eine enorme Kraft und liess mich keine Sekunde verschnaufen. Die Schweissperlen kullerten mir ins Gesicht und nur mit kräftigem Pumpen konnte ich den Fisch schliesslich überwältigen. Was für ein Anblick. Ein Wels von 2.34 Meter Länge mit einem Gewicht von 88 Kilogramm. Unvergesslich und in diesem Leben wohl kaum

mehr zu überbieten.

Enniskillen und Kenmare (IrL), 1995 bis 2001

Irland war lange Zeit meine Traumdestination. Zwischen 1995 und 2001 war ich fünfmal auf der grünen Insel. Zuerst am River Erne in Nordirland und dann an verschiedenen Gewässern bei Kenmare im Südwesten der Insel. Irland schenkte mir zwar nie einen der Traumfische, die dieses Land zweifelsfrei zu bieten hat, dennoch verliebte ich mich ab dem ersten Augenblick in die

wunderschöne Landschaft, die geheimnisvollen, moorbraunen Gewässer und die gastfreundlichen Menschen. In den ersten Jahren konzentrierte ich mich ausschliesslich auf Hecht und konnte auch einige, wenn auch nicht allzu grosse Exemplare fangen. In Kenmare mussten meine Freunde und ich lange nach Fischen suchen. Ein einheimischer Fischer erzählte uns von einem sagenhaften Lachsbestand in einem kleinen Bach, in einem nahe gelegenen Wald. Als wir die dichten Brombeerstauden durchquerten und schliesslich am ganzen Leib verkratzt waren, glaubten wir zuerst an eine irische Flunkerei. Am Bach angekommen, trauten wir dann aber unseren Augen nicht. Der Bach war voll mit Lachsen, die zum Laichen in dieses traumhafte Gewässer aufgestiegen waren. Ganz ungeduldig warf ich meinen Köder, eine blaugefärbte Crevette aus. Der Zapfen ging beim ersten Wurf sofort unter, ich schlug an, der erste Lachs war gehakt und nach einigen Kurbelumdrehungen leider auch schon wieder verloren. Dieses kleine Abenteuer war für mich und meine Freunde wohl Motivation genug, drei Tage am gleichen Ort weiter zu fischen, ohne auch nur einen einzigen weiteren Fisch fangen zu können. Von der grünen Insel bleiben mir dennoch viele gute Erinnerungen. Vor allem auch an einige liebe Freunde wie Toni, Moritz, Peter, Hugo und viele andere.